Rote Linien

 

Wir leben in aufregenden Zeiten: Nachdem wir Griechenland wieder einmal gerettet haben –  wie halten wir es nun mit den Hunderttausenden von Flüchtlingen? Wie viele sollen wir aufnehmen? Und welche? Wie viel Geld wollen oder können wir dafür aufwenden? Hieße „mehr für Flüchtlinge“ automatisch beim nächsten fälligen Hilfspaket „weniger für Griechenland“? Oder müssen wir generell Härte zeigen, da ohnehin „das Boot voll“ ist?

 

Es ist richtig, dass über diese Fragen intensiv diskutiert, oft auch leidenschaftlich gestritten wird. Demokratie ist nun einmal keine Schönwetterveranstaltung; sie hat auch anstrengende, manchmal sogar ärgerliche und unangenehme Seiten. Meinungsfreiheit ist einer der Grundpfeiler unseres Rechtsstaates. Aber sie hat auch Grenzen.

 

Wir leben in einem – angesichts des erstarkenden Islam muss daran erinnert werden – christlichen, neu- und alttestamentlich geprägten Land, auch wenn man das im täglichen Leben lange Zeit kaum noch spürte. Doch zeigt die Haltung, mit der Bürger und Behörden dieses unseres Landes auf die aktuelle Herausforderung reagieren, dass unsere traditionellen Grundwerte doch noch nicht völlig vergessen sind. Wenn ein Mensch Hilfe braucht, fragt man zunächst einmal nicht nach Schuld und Ursachen – man hilft.

 

Bezogen auf das Thema, die uns konkret gerade bewegt: Wir lassen niemanden verhungern, wir lassen niemanden erfrieren, und wir lassen niemanden im Mittelmeer ertrinken. Wer diese Roten Linien überschreitet, stellt sich selber außerhalb unseres abendländischen Rechtsstaates. Wer sich daran hält, hat auch das Recht, dann alle weiteren Fragen zu diskutieren. Meinetwegen kontrovers, meinetwegen hart in der Sache, und meinetwegen auch deutlich in der persönlichen Ansprache. Aber bitte nicht in jenem verkommenen Stil, wie er von weiten Teilen der so genannten Netzgemeinde im Internet „gepflegt“ wird. Was da an sprachlichem und geistigen Unrat abgesondert wird, hat mit Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun; hier erschließt sich die „Sprache des Unmenschen“ eine neue, weltweite Dimension. Und für „Wehret den Anfängen“ ist es schon zu spät, der „shitstorm“ fegt längst über uns hinweg.  H.J.M.