Neue Rubrik: Regional/Lokal

Um unser publizistisches Angebot abzurunden, führen wir eine neue Rubrik ein: Regional/Lokal. Damit knüpfen wir an die bewährte Tradition klassischer Tageszeitungen an , die – auch wenn sie überregional verbreitet sind – auf diese lesernahen Bereiche nicht verzichten. Zu Recht: Ob Verkehr oder Natur, Wirtschaft oder Soziales, Kultur oder Sport ­ – praktisch alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollten nicht nur aus der Perspektive der "großen Politik" betrachtet werden; zum wahren, realistischen Bild gehört auch, was im eigenen Umfeld, vor der eigenen Haustür passiert.

Im eigenen Umfeld, das ist für uns Rosenheim mit seinen umliegenden Gemeinden, der Chiemgau, aber auch die benachbarte Region um Kufstein. Enge thematische oder geografische Grenzen wollen wir nicht: Kommunales hört nicht da auf, wo es anfängt, oberbayerisch zu werden. Und wo sollte da dann die Abgrenzung zur Landes- und weiter zur Bundespolitik sein!  Es hängt eben alles mit allem zusammen. Wer im Gemeinderat von Stephanskirchen (um das uns naheliegende Beispiel zu nehmen) Kommunalpolitik macht, muss wissen, dass er und seine Gemeinde nicht allein sind auf dieser Welt. Und wer in München, Berlin oder Brüssel politische Verantwortung trägt, muss wissen, wie sich die Beschlüsse, an deren er mitwirkt, in Rosenheim und in seinen Landkreisgemeinden konkret auswirken: Wie leben die Menschen dort vor Ort? Wie denken sie, was macht ihnen Spaß, was ärgert sie, was bewegt sie, was ist ihnen wurscht?

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wollen wir in unserem Internet-Magazin künftig nicht nur über Poiiltik, Kultur und Gesellschaft im überregionalen Maßstab berichten und kommentieren, sondern was sich hier vor Ort so alles tut: in der Verkehrsplanung, im Geschäftsleben, in Kunst und Kultur, im Sport, in der Gastronomie.

Für mich als Chefredakteur bedeutet das auch: zurück zu den Wurteln! Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, als Volontär beim Bonner General-Anzeigter, waren nämlich die vorrangigen Ziele meiner journalistischen Außeneinsätze nicht Bundestag, Palais Schaumburg oder Villa Hammerschmidt, sondern das Tagungslokal der Poppelsdorfer Kleingärtner, die zum Konzertsaal umfunktionierte Aula einer Realschule in Mehlem, der Sportplatz einer viertklassigen Fußball-Elf im Siegburger Land oder die Wohnung eines von einer unüberlegten Verkehrsmaßnahme der Kommune gebeutelten Rollstuhlfahrers: der arme Mann kam nicht mehr aus dem eigenen Haus heraus. Letzterer Termin geriet zum ersten und bis heute präsenten Erfolg meiner journalistischen Tätigkeit: Mein Artikel im Lokalteil hatte ebenso unerwarteten wie durchschlagenden Erfolg – nach wenigen Tagen stand der endlich Befreite samt seinem Rollstuhl vor der Redaktion, um sich überschwänglich zu bedanken…   Hans-Jürgen Mahlitz-Stecher